Bucheinbände
Ursachen
Der Falz besitzt die Gelenkfunktion beim Öffnen eines Buches. Damit ist dieser Bereich die mechanisch am stärksten beanspruchte Stelle eines Bucheinbandes. Gleichzeitig ist der Falz aber auch die schwächste Stelle, da hier das Material dünn und flexibel sein muss, um ein Gelenk bilden zu können. Gealterte oder von Natur aus spröde Materialien halten dieser mechanischen Beanspruchung nur eine gewisse Zeit lang stand, bis die Materialermüdung zum Bruch des Falzgelenks führt. Unterstützt wird dies z.B. durch zu schmale Falzgelenke, die bei Einbänden des 19. Jh. häufig zu finden sind. Hier wird das Einbandmaterial stärker belastet als bei breiten Falzgelenken. Außerdem werden Bücher häufig am Kopfschnitt angefasst und aus dem Regal herausgezogen. Dadurch wird eine hohe mechanische Beanspruchung auf den oberen Teil des Buchrückens und den Falz ausgeübt. Da der Rücken selbst meist stabiler ist als die Falzgelenke, gibt das Material zuerst an der schwächsten Stelle des Bucheinbandes nach: dem Falz. Meist bricht der Falz vom Kopfschnitt her und reißt dann leicht weiter ein. Bei Einbänden mit hohlem Rücken ist dieser, nachdem eines der Falzgelenke vollständig gerissen ist, nur noch über das zweite mit dem Buch verbunden. Es ist leicht vorstellbar, dass diese fragile Verbindung keinen großen mechanischen Belastungen standhält und ebenfalls bricht – der Rücken geht schließlich verloren.
Bucheinband, mit gebrochenem Falz
Bucheinband mit gebrochenem Falz
Prävention
Bücher sollten nicht am Kopfschnitt aus dem Regal herausgenommen werden. Statt dessen sollten die beiden benachbarten Bücher ein Stück zurückgeschoben und das gewünschte Buch beidseitig angefasst werden. Außerdem ist natürlich eine vorsichtige Handhabung empfehlenswert, die ein gewaltsames Öffnen der Buchdeckel und des Buchblocks vermeidet. Zusätzlich sollte durch stabile klimatische Bedingungen dafür gesorgt werden, dass die Einbandmaterialien eines Buches nicht spröde werden.
Restaurierung
Eingerissene Falzgelenke und lockere Buchrücken sollten nicht mit Selbstklebestreifen oder Haushaltsklebstoffen (UHU, Ponal, Pattex, usw.) befestigt oder überklebt werden, sondern durch Unterlegung mit Ergänzungsmaterial restauriert werden. In Ausnahmefällen ist die nachträgliche Fettung von sprödem Leder mit speziellen Lederpflegemitteln – keinesfalls Schuh-, Handcreme oder Milch verwenden! – zur Verbesserung der Flexibilität notwendig. In der Regel ist dies jedoch nicht erforderlich. Die Pflege von Leder sollte von einem/r ausgebildeten Restaurator/in durchgeführt werden.

Hier sehen Sie die Restaurierung eines Folianten in Leineneinband:
vor der Restaurierung
Buch, vor der Restaurierung
nach der Restaurierung
Buch, nach der Restaurierung
während der Restaurierung
Buch, während der Restaurierung

Autorin: Maria Sutor

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