Knicke, Risse, Fehlstellen
Ursachen
Eine der am häufigsten vorkommenden Beschädigungen an Papieren sind Knicke, Risse und Abrisse, die in der Fachsprache Fehlstellen genannt werden. Meistens sind diese mechanischen Schäden auf einen unvorsichtigen Umgang mit dem Objekt und / oder eine falsche bzw. ungünstige Lagerung zurückzuführen. Ist einmal ein Knick entstanden, ist das Material an dieser Stelle geschwächt. Bei einer erneuten Belastung kann dort ein Bruch entstehen. Ein vorhandener Riss wiederum kann schnell zu einer Fehlstelle führen.
vor der Fehlstellenergänzung
Familienbuch, vor der Fehlstellenergänzung
nach der Fehlstellenergänzung
Familienbuch, nach der Fehlstellenergänzung
Prävention
Kunstwerke sollten immer mit beiden, frisch gewaschenen Händen gehandhabt werden! Oft werden unten liegende Objekte aus einem Stapel herausgezogen, wobei gerade fragile Randbereiche des Papiers abreißen können. Zum Schutz vor mechanischen Belastungen ist es sinnvoll, Kunstwerke aus Papier in Bildermappen oder Passepartouts zu lagern; auch dann, wenn die Objekte staubgeschützt in einer Schublade aufbewahrt werden. Zum Transport von ungerahmten Grafiken sollten ebenfalls Bildermappen verwendet werden. Bereits gerahmte Objekte benötigen einen zusätzlichen Schutz durch Abkleben der Glasscheibe mit einem speziellen Selbstklebeband. Für den Transport empfiehlt sich außerdem eine stabile, gepolsterte Kiste. Die Ausstellung und Hängung der Grafiken sollte immer in einem festen Rahmen vorgenommen werden.
Restaurierung
Die beschädigten Objekte werden restauriert, indem Knickstellen mit Festigungs-materialien unterstützt, Risse geschlossen und Fehlstellen ergänzt werden. Niemals sollte eine Reparatur mit haushaltsüblichen Selbstklebebändern oder Klebstoffen vorgenommen werden (Tesafilm, Scotch-Tape, Uhu, usw.). Auch in Archiven verwendetes Selbstklebeband, wie z.B. „Neschen P90“, sollte vermieden werden! Es ist sehr aufwendig, derartige Reparaturen später wieder rückgängig zu machen und die Objekte fachgerecht zu restaurieren. Üblicherweise wird in der Restaurierung mit kaum oder gar nicht sichtbarem, dünnem Japanpapier als Hinterlegungsmaterial für Knicke und Risse gearbeitet. Die Verklebung des Japanpapiers erfolgt mit einem reversiblen Klebstoff. Fehlstellen werden mit Papieren ergänzt, die in ihrer Struktur und Farbe dem Originalpapier ähnlich sind. Bei manchen Fehlstellen wird auch die Methode der Anfaserung angewendet, bei der, ähnlich wie bei der Papierherstellung, Papierfasern in den Fehlstellen angegossen werden. Manchmal ist eine Fehlstellenergänzung jedoch nicht nötig oder gewünscht. Dann wird in der Regel nur eine Sicherung der stark einreißgefährdeten Bereiche vorgenommen.
vor der Fehlstellenergänzung
Familienbuch, vor der Fehlstellenergänzung
nach der Fehlstellenergänzung
Familienbuch, nach der Fehlstellenergänzung
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